Geschichtliches aus der Region

Hier gibt es viel zu lesen und zu sehen über die wechselvolle Geschichte unserer Region und darüber hinaus. Wir bedanken uns bei Dieter Pintatis, der die Texte und Fotos zur Verfügung gestellt hat. Das Urheberrecht liegt bei ihm.

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Warum eine Frau aus Elstorf als Hexe verbrannt wurde

Hexenverbrennung - ein dunkles Kapitel der Christenheit

Nachzuweisen ist eine Hexenverbrennung aus dem Jahre 1612. Sie betraf Catharina Gerkens aus Elstorf. Im Jahre 1612 wurde Catharina Gerkens wegen Hexerei angeklagt.
Zwanzig Jahre vorher hatte sie auf dem Felde bei Wulmstorf allein gearbeitet. Da war plötzlich ein Mann in kurzen schwarzen Kleidern an sie herangetreten, hatte es recht wichtig gehabt, auch mit ihr leise gesprochen und merkwürdige Zeichen und Andeutungen in der Luft gemacht, war ebenso schnell aber wieder verschwunden gewesen. Einige Nächte darauf war damals ihre schwazrückige Kuh mir nichts, dir nichts gestorben, und dann war es im Flüsterton von Haus zu Haus gegangen: „Mit Catharina stimmt was nicht...“ Und Bartel Peters hatte es selber gesehen, wie der Mann in kurzen schwarzen Kleidern mit Catharina leise geredet hatte. Und den habe er sogar gekannt. Lukas heiße er.

Wenige Tage später war Catharina zum Amtmann nach Moisburg bestellt worden. Dem hatte sie in ihrem Eifer auf die Schulter geklopft und damit bloß beteuern wollen, sie sei wirklich keine Hexe. Aber von dieser Berührung, so das Gerücht, hatte der Amtmann eine Lähmung im Arm bekommen. Ja, und in Schwiederstorf und Ketzendorf, auch in Daensen und Heimbruch waren bald danach wiederholt Schweine, Ferkel und Kühe eingegangen, immer nur dann, wie die Leute meinten, wenn Catharina vorher des Weges dahergekommen sei.

Diese Anschuldigungen und Verleumdungen gingen so noch etliche Jahre weiter, bis es zum Prozess in Moisburg im Amtshaus kam. Alle Bauern, Knechte und Mägde wurden als Zeugen vernommen. Aber Catharina konnte mit dem besten Willen nichts zugeben und eingestehen, wofür man sie beschuldigte. In so einem Fall besann man sich auf die Folter. Und als Catharina auf den wie Feuer glühenden Steinen stand, konnte sie vor Schmerzen nicht mehr aushalten und gestand die gegen sie erhobenen Vorwürfe.
Aber es war durch peinliche Halsgerichtsbarkeitsordnung im damaligen Heiligen Römischen Reich deutscher Nation verboten solche Geständnisse durch die Folter zu erpressen. Darum musste Catharina noch einmal ohne Folter wiederholen, was sie eben bekannt hatte. Sie wusste wohl zu genau, was ihr bevorstand, wenn sie das Geständnis widerrief. Durch die schwere Folter war es ihr wohl einerlei, was aus ihr werden sollte und sicherlich waren auch ihre Gedanken durcheinander, als sie unmittelbar nach der Folter ihr Geständnis wiederholte. Nun war nach dem kaiserlichen Gesetz genüge getan und Catharina wurde auf dem „Hexenberg“ in Moisburg bei lebendigem Leibe 1612 verbrannt“

(aus „Moisburg unser Dorf“, mit freundlicher Genehmigung von Erich Tauber)

Auf dem „Hexenberg“ wurden mehrere „Hexen“ verbrannt, später stand dort ein Galgen, der bis ins 18. Jahrhundert von der Gerichtsbarkeit genutzt wurde.


 

Das Kirchspiel Elstorf in der Diktatur des Nationalsozialismus 1933 -1945

Das Landjahrlager In Schwiederstorf

Wenn man von Schwiederstorf kommend den Alten Postweg hoch in den Wald fährt, erblickt man rechts auf einer kleinen Anhöhe, inzwischen umgeben von Sträuchern und Bäumen, eine große alte Villa mit ein paar Nebengebäuden (Privatgelände!). Diese Gebäude haben eine interessante Geschichte: Den ganzen Artikel lesen

 


 

Verteidiger Hamburgs in unserem Kirchspiel Elstorf

Am 8. Mai 1945 endete der zweite Weltkrieg. Auch unsere Dörfer waren einbezogen in das Kriegsgeschehen. Nicht nur, dass viele junge Männer aus unseren Dörfern während des Krieges zur Wehrmacht eingezogen und an allen Fronten kämpften, auch kamen Soldaten der Luftwaffe aus ganz Deutschland in unser Kirchspiel, um die Stellungen der Flakscheinwerfer und der schießendenFlak zu besetzen.

Den ganzen Artikel - mit vielen Fotos - können Sie hier lesen.

 


 

Das Kriegsende in Elstorf und Umgebung

Wussten Sie,dass die Dörfer Mienenbüttel, Elstorf, Schwiederstorf, Wulmstorf und besonders Daerstorf in den letzten Tagen des Krieges hart umkämpft waren?

Lesen Sie hier, wie Bevölkerung und Soldaten das Kriegsende rund um Elstorf erlebten.

 


 

Sondergrabstätten auf dem Elstorfer Kirchen-Friedhof

Das auf unserem Elstorfer Friedhof einmal alliierte Soldaten des 2.Weltkrieges lagen, ebenso verstorbene Kinder von Zwangsarbeiterinnen, und ein Kind einer holländischen Frau ist den wenigsten bekannt. Das wir darüber wissen, ist Pastor Dierks zu verdanken, der im Elstorfer Friedhofsbuch auf der letzten Seite darüber berichtet.

Hier können Sie weiterlesen.

 


 

"Ihr Deutschen wollt es nicht besser haben ..."

Der Lynchmord an den amerikanischen Flieger Sergeant William H.Kane.

„Der wurde mit einem Spaten erschlagen“, so erzählten mir öfters ältere Gemeindemitglieder, als es auf die Rede eines amerikanischen Fliegers kam, der im zweiten Weltkrieg in unserem Kirchspiel  abgesprungen und getötet wurde.

Aber was geschah wirklich? – Stimmt das mit dem Spaten?

Am 20.Juni 1944 starteten von verschiedenen Flugplätzen Englands 512 amerikanische Bomber vom Typ B-17 Fortress zu einem Angriff auf die Raffinerien des Hamburger Hafens.Unter den angreifenden Maschinen eine B-17 mit dem Spitznamen „Snafusk Shamrock“, mit 9 Besatzungsmitgliedern, gesteuert von Leutnant William Bomar.

Über Hamburg schlug den Bombern schweres Flakfeuer entgegen. Gegen 9.30 Uhr wurde die Maschine von William Bomar von der Flak in Altenwerder getroffen und schwer beschädigt.Die B-17 verließ die Formation und kam ins Trudeln. Sofort nach den Flaktreffern gab der Pilot den Befehl zum Ausstieg.

Außer zwei Besatzungsmitgliedern, sprangen alle anderen aus dem Flugzeug und erreichten unverletzt mit ihren Fallschirmen den Erdboden. Die Maschine selbst explodierte in 1500 m Höhe . Zwei  Besatzungsmitglieder weigerten sich schon im Vorfeld über Deutschland abzuspringen, da sie befürchteten misshandelt und ermordet zu werden. Dass sie nicht ganz unrecht hatten, erlebten alle Abgesprungen an diesem Tag. Alle wurden von Zivilisten und Militärpersonal misshandelt und geschlagen, bevor sie zu einer Sammelstelle gebracht wurden.

Unter den Abgesprungenen befand sich auch Sergeant William Kane, aus New York. Er landete mit seinem Fallschirm nördlich der Bahnlinie (Cuxhaven- Harburg) zwischen Neu Wulmstorf und Fischbek. Hier wurde er von dem Bauern A.Quast, aus Neuenfelde, der im Moor arbeitete „gefangengenommen“. Die Gefangennahme erwies sich auch nicht als schwer, da Sergeant Kane keine Waffe trug und auch nicht die Anstalt machte, zu entfliehen. Verblüfft war Bauer Quast, dass Sergeant Kane auf Deutsch antwortete, er wusste nicht, dass Kane’s Mutter aus Weimar stammte.

Bauer Quast wollte ihn nun zur Fischbeker Kaserne bringen. Inzwischen kam noch RudolfEggers, Soldat auf Heimaturlaub, hinzu, der den Fallschirm gesehen hatte, sofort auf seinFahrrad sprang, um zum Landeplatz zu kommen. Während alle drei nun den Weg zur Kaserne gingen und sich unterhielten, kamen drei Männer (Brummer, Böhrs und Dammann) aus Neu Wulmstorf dazu.

Lehrer Dammann, der ein Gewehr trug, versuchte an den Flieger heranzukommen mit der Aufforderung an Eggers und Quast, sie sollten verschwinden, sie würden den Flieger jetzt übernehmen, denn sie hätten spezielle Befehle.
Brummer trat nun von hinten an Sergeant Kane heran und schlug ihn ins Gesicht. Daraufhin nahm Dammann sein Gewehr und schlug mit dem Kolben mehrere Male Sergeant Kane auf den Kopf, worauf dieser zu Boden fiel.
Inzwischen waren auch Soldaten aus der Fischbeker Kaserne hinzugeeilt und beteiligten sich an der Misshandlung des Gefangenen. Sie traten mit Füßen den Flieger, bis er in einen Wassergraben fiel. Boehrs nahm seinen Stahlhelm, den er bei sich trug, und schlug ebenfalls dem Gefangenen auf den Kopf. Danach presste Lehrer Dammann mit seinem Gewehrkolben den Kopf des Gefangenen unter Wasser. Dann zogen sie ihn aus dem Graben. So wie er da lag, vermuteten alle, er sei tot, weil er sich nicht mehr bewegte, aber plötzlich richtete sich Sgt. Kane doch noch einmal auf. Als ein Soldat ihn erschießen wollte, sagte Dammann:
„Warum? Lasst ihn zu Grunde gehen“. Trotzdem schoss der Soldat Sergeant Kane in die Brust. Kane war sofort tot. Die Soldaten zogen ihm die Kleider und Stiefel aus und zogen mit ihrer „Beute“ davon. (lt. Zeugenaussagen , die die Angeklagten nicht bestritten).
Todesstelle und Grabstelle liegen ca. 200m nördlich der Bahnlinie Cuxhaven – Harburg, zwischen Fischbek und Neu Wulmstorf. Und hier nun kommt der von mir anfangs genannte Spaten ins Spiel. Nicht als Mordwerkzeug, wie es viele bis heute meinen, sondern als Grabschaufel. Heinrich Wiegers, aus Fischbek, hatte mit seinem Spaten mitgeholfen ein steckengebliebenes Wehrmachtsauto auszugraben. Um den Offizieren nun einen besseren Weg zu zeigen, durfte er mit zum Landeplatz fahren. Hier nahm er zum ersten Mal den toten Flieger wahr. Mit Eggers zusammen schaufelte er ein Grab und begruben den Leichnam.

Nach Kriegsende nahmen amerikanische Behörden die Ermittlungen auf. Böhrs, Brummer und Dammann wurden von der englischen Militärpolizei in Haft genommen und in Dachau vor ein amerikanisches Gericht gestellt. (Der Todesschütze war nicht mehr zu ermitteln).
Böhrs und Brummer wurden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, Damman zum Tode durch den Strang. Das Todesurteil wurde aber Anfang der fünfziger Jahre in eine lebenslänglichen Strafe umgewandelt. Mitte der fünfziger Jahre kam Dammann auf Bewährung frei.
Sergeant William Kane liegt heute auf dem Kriegsgräberfriedhof Margraten/ Niederlande begraben.
Wie mir David Kane, der Neffe von William Kane mitteilte, waren der Familie bis zu meinen Recherchen, nichts über die Umstände seines Todes bekannt. Frau Kane wurde lediglich vom Verteidigungsministerium mitgeteilt, dass ihr Mann bei dem Absturz seines Flugzeuges ums Leben kam.
„Ihr Deutschen wollt es nicht besser haben...“.
Das waren die letzten Worte von Sgt.Kane. Hans Stöver, aus Fischbek, Augenzeuge der Ermordung, berichtet, dass ihm diese Worte noch heute tief im Gedächtnis haften geblieben sind, weil er sich wunderte, deutsche Worte aus dem Mund eines amerikanischen Bombenfliegers zu hören. Er berichtet weiter, dass Sgt. Kane zuvor sich mit letzter Kraft aus dem Wassergraben gezogen hatte, wobei er immer wieder von der Grabenkante abrutschte. Schließlich saß er ganz erschöpft auf dem Weg. Ein Unteroffizier versuchte Sgt. Kane etwas vom Hals zu reißen, Kane aber schlug abwehrend um sich, so dass der Unteroffizier hinfiel. Der Unteroffizier äußerte sich nun sehr erregt über die Terrorangriffe der Alliierten. Seine Eltern wären auch 1943 durch Bomben in Hamburg getötet worden. Er nahm seinen Karabiner und schoss auf Sgt. Kane, der tot zur Seite fiel.
Kurzfassung aus der Dokumentation (mit Quellenangaben): „Der Lynchmord an den
amerikanischen Flieger Sergeant William H. Kane“ von Dieter Pintatis
Copyright
Dieter Pintatis 2015